Die große Eskalationskette
McMurphy 22. Januar 2008
Anbei ein wahrer Bericht einer schrecklichen Ansammlung von Eskalationen.
Er hat mich gerade über die Eskalations-Hotline (555-ESCALATE) erreicht.
So, Freunde multimedialer Schadenfreude,
ich bin bisher relativ unbescholten und glücklich durchs Leben gekommen, leider kann ich seit Gestern an nix gutes mehr auf dieser Welt glauben, es trug sich nämlich folgendes zu:
Ich bin mit meinem Freund in meinem 23 Jahre alten Pornomercedes auf dem Weg von Herford nach Altenbeken zu’ner Veranstaltung gefahren, der Vollständigkeit halber sei hierbei erwähnt, dass ich als Tontechniker arbeite und da nicht zum Spaß hin wollte, sondern weil ich da arbeiten musste.
Alles klar dachte ich mir, fährste ne halbe Stunde eher los falls wieder irgend so’n Pflegefall auf die Idee kommt den ganzen Tag auf der linken Spur nen Parkplatz zu suchen.
Ok, ich auffe A2 rauf und Kapelle gemacht. Die Reise an sich begann auch ganz easy soweit bis auf die Tatsache, dass mir kurz nach der Ausfahrt Bielefeld/Sennestadt der Motor ausgegangen ist und ich so 200 Meter vorm A33 Kreuz auf dem Standstreifen zum stehen kam – „Ganz grosses Kino dachte ich mir“.
Das Ganze trug sich gegen 17h zu, um 18h wollte ich im von da aus noch ca. 50 km entfernten Altenbeken aufschlagen, um noch Feinheiten an der Show zu programmieren, die sich am Vortag ergeben haben.
Gut, ich ganz entspannt Warndreieck aufgestellt, Warnblinker angemacht und Handy ausser Tasche gezogen, um die Schadenshotline meines Versicherers anzurufen, da ich ja in meinem KFZ-Tarif ne Mobilitätsgarantie habe, die mir schon mal geholfen hat als ich mit meinem Sommerauto von nem Sonnenstich ereilt versucht habe 3 Kilometer von meiner Haustür entfernt in einer Baustelle rechts mit 150 zu überholen und nicht geschnallt hab, dass bei 30 Grad plus auf der ganzen Welt nur noch 10 gefahren wird weil’s ja glatt sein könnte und ich darauf hin im Graben weiterfahren musste weil auf der Bundesstrasse keiner mit mir spielen wollte.
Gut, das waren nur die Feinheiten der Vergangenheit, zurück in der Gegenwart teile mir der freundliche Herr in der Schadenshotline mit, dass meine Adresse nicht mehr aktuell ist (was uns noch häufiger begleiten wird).
OK, irgendwie war der gute Mann hier wohl ortskundig und hatte geschnallt, dass ich noch nicht weit gefahren bin. Auf jeden Fall sollte ich seiner Kollegin, mit der er mich nun wegen der Abschlepp-Problematik verbinden wird, auf GAR KEINEM FALL sagen, dass ich mich noch im 50 Kilometer Umkreis von zuhause befinde, da ich sonst den Abschlepper selber bezahlen muss – ok letzens ging´s bei 3 km ohne Probleme … aber das sind nur die Feinheiten!!!
Ich war in Begriff meine blöde Schnauze zu halten, wurde dann mit der Tante verbunden, die mir komischerweise auch nur nach ner Adressaktualisierung, die ich schon mit ihrem Kollegen bis ins kleinste Detail durchgesprochen hatte, helfen konnte. Ich gab Ihr meine aktuelle Position mit der Bitte durch, mir doch endlich jemanden zu schicken, der mir die Scheisskarre hier abschleppt, weil mir langsam vom Timing er echt der Kittel anfing zu brennen und ich mich auch noch drum kümmern konnte wie wir hier jetzt überhaupt wegkommen.
Für den Folgenden Teil gibt es jetzt 2 Theorien:
Erstens kann es sein, dass es am Sonntag in der AXA-Schadenshotline total langweilig ist, dass man auf die Idee kommt die beiden Positionen abzugleichen, um mir dann mitzuteilen, dass ich ja erst 22 km gefahren bin oder der Tine-Wittler/Herr Kaiser – Verschnitt wurde von der Stasi ausgebildet, um jetzt genau in diesem Moment diesen Sachverhalt zu ermitteln!
Ok, weil mir langsam echt der Kittel brannte ließ ich mich auf den Deal ein, dass ich die Abschlepp-Schiessbude selber bleche weil wir ja auch keinen Bock hatten den Sonntagabend inner Dreckskarre auf der A2 zu versauern und wir es dem Veranstalter auch nicht zumuten wollten seine Show ohne Personal durchzuführen.
Alles klar, nach weiteren nervtötenden 10 Minuten rief dann endlich dar Abschlepp-Assi an um mir nur mitzuteilen, dass ich in den Genuss seiner abendlichen Dienstleistung nur komme wenn ich Ihm 180 Knaller in bar abdrücke und nicht weiter drüber rede. Komischerweise kann ich auf der ganzen Welt ein Kaugummi für 10 Cent kaufen aber auf Kartenzahlung oder Rechnung ließ sich der Kollege nicht ein weil sie wahrscheinlich seine Schwarzgeldpläne ´08 durchkreuzten!!!!
Gut, ich hab natürlich immer 180 Knaller dabei und konnte Ihm somit die frohe Kunde überbringen, dass er sich wieder hinlegen und die Eier schaukeln kann. Irgendwie musste die Karre da jetzt langsam mal weg weil die Zeit rannte, unser Abtransport organisiert war und ich den Benz auch nicht seinem Schicksal überlassen wollte.
Ich meinen Dad angerufen damit er mich da weg schleppt und uns an der nächsten Abfahrt in die Arme des Veranstalters übergibt… mittlerweile war es auch schon 18h.
In der nächsten halben Stunde passierte nicht viel.
Mein Freund versuchte irgendwie meinen Blutdruck wieder in Richtung der Normwerte zu korrigieren, weil das Unterputzkabel am Hals schon deutlich sichtbar hervorquoll.
Ein Ford Escort Cabrio hielt 100m vor uns, fuhr rückwärts auf uns zu um dann zu schnallen, dass es in der anderen Richtung doch wohl geiler ist.
Ein ukrainischer VW T4 hielt mit PKW-Trailer hinter uns. Die Jungs wollten uns auch scheinbar erst abschleppen; als sie jedoch gemerkt haben, dass die Karre bewohnt ist war die Geilheit dann doch nicht mehr so groß.
Ok, das unglaubliche geschah:
mein Dad kam, hing uns an sein Auto an und es ging endlich mal wieder weiter.
Ich stand jetzt 1 ½ Stunden mit Warnblinker und Standlicht auf dem Standstreifen und wir mussten nur 300 Meter die Abfahrt auf die A33 und von da aus noch mal 3 Kilometer bis zur nächsten Abfahrt.
Jetzt hatten wir allerdings die Rechnung ohne den Allmächtigen gemacht, weil der entschied jetzt, dass es nun mal mit dem Stromverbrauch im Pornomercedes langsam gut ist und ich merkte wie das Licht immer dunkler wurde, und dass der Warnblinker weder warnte noch blinkte.
Auch der Scheibenwischer hatte jetzt die Schnauze voll und glaubte sich im Wochenende … und wir waren mal gerade 200 m gefahren! Somit war es Zeit die Amokfahrt, die sich für mich zu nem Blindflug entwickelte, abzubrechen, weil ich wirklich wegen Regen und Co wirklich gar nix mehr sehen konnte.
Jau!
Ich dachte „alles klar“, da vorne kommt gleich ne stillgelegte Auffahrt, die wieder auf die A2 geht und unbedingt gebaut werden musste aber dann auf einmal doch nicht mehr geil war und somit kurzerhand von nem „out of order“-Schild geziert wurde.
Dreckskarre da rein gestellt, nächste Abfahrt runter, mit dem Shuttle-Service zur Veranstaltung hin, Programmierung war Ade, weil schon Einlass war.
Gut, Show gefahren, mit der Bahn zurück, wobei da die Problematik bestand, dass es nur Automaten bei der Bahn gibt, die Fahrpreise anzeigen können. Kaufen kann man die Scheisse nicht, zumindest nicht mit EC-Karte (hab ich heute schon mal irgendwo gehört), 20 Euro-Scheinen und 50 Euro-Scheinen!
Der aufmerksame Leser kann ja jetzt mal ganz unauffällig ne Inventur meiner Hosentasche machen: Ein Fuffie, ein Zwannie und ne EC-Karte.
Ok, dann die Tickets bei der frustrierten Nordwestbahn-Schnepfe gekauft mit dem drohenden Blick der untestellten Schwarzfahrerei in die Hand gedrückt sind wir noch mal mit nem blauen Auge davon gekommen; ich hab uns schon so halb im Knast schmoren sehen.
Ich hatte dann echt ne geile Nacht hinter mir, die durch nen Anruf von meinem Dad schlagartig beendet wurde als er mir die frohe Kunde überbrachte, dass die Autobahnpolizei (die hatten auch nur meine alte Adresse) angerufen hatte und mir den Benz gerne mit ner roten Schleife auffem Dach nach Hause bringen wollte…
Ok, es klingelte weiter und der Ton verschärfte sich als ich wach wurde und mein Dad mir mitteilte, dass die Autobahnpolizei um die schnellstmögliche Entfernung des Mercedes-Kadavers bittet, da es sonst richtig teuer wird!
Is ja klar, die brauchen die Abfart auch ganz dringend, um bei MC-Donalds/Sennestadt die Mittagsration Pommes zu holen… und da ich genau in der Ideallinie geparkt hatte, sahen sie dieses Unterfangen gefährdet!
Gut ich meinen Haus- und Hof Schrauber beauftragt die Karre an´n Haken zu hängen da ich mir diese Präsentation nicht mehr geben wollte. Komischerweise kann der für 80 Euro aus Herford da hin ballern und will nur 80 Euro dafür während der Kollege am Abend vorher, der direkt um die Ecke wohnt 180 veranschlagt hat aber wir hatten ihn ja auch beim Taschenbilliard gestört.
Gut, mein heutiger Tag ließ sich dann auch ganz gut ohne Auto regeln, bis zu dem Zeitpunkt wo mein Freund dann nach Hause gefahren ist, das war so um halb 5.
Ich musste gegen halb 6 beim Taekwondo-Training sein, hatte also Zeit, alles an überflüssigem Ballast in Form von Werkzeug aus meinem Rucksack zu entfernen, was mir im Laufe des Abends noch zum Verhängnis werden sollte.
Ich hatte mir nämlich gerade ein mistneues BMX-Bike gekauft, mit dem ich aus konditionstechnischen Gründen jetzt eh immer zum Training fahren wollte wenn es nicht regnet – Scheisse, da war gerade ein „wenn“ in dem Satz und das war dann auch der Garant dafür, dass es regnen würde obwohl es den ganzen Tag über trocken war!
Ich ausm Haus raus, ja – alles klar, regnet – „Gott, hast gewonnen. Ich weiß, dass Du da bist!“
So Leute das ist jetzt kein Scheiss mehr.
Ich verschwendete keinen Gedanken an das, was jetzt als Nächstes kam, so sicher war ich mir, dass dieses Ereignis eintreten würde!
Und zwar hatte ich die Vision, dass ich mir beim Weg zum Training nen Reifen kaputt fahre. Ich muss dazu sagen, dass man ein BMX im Stehen fährt und somit viele harte Stöße mit den Beinen abfängt. Als ich mich nach nem Kilometer das erste Mal hinsetzte weil eine lange Gerade vor mir lag, dachte ich auch „Ey, dein Arsch war auch schon mal fester“ – in dieser Traumwelt glaubte ich mich bis zur nächsten Bordsteinkannte, die ich hochspringen wollte. Denn es war leider nicht mein Arsch, der da so rumeierte, es war dann wirklich der Hinterreifen.
So Freunde, nur mal so fürs Protokoll: Karre im Arsch, Bike zerwemst – WERKZEUG ZUHAUSE!
Geilomat, auf´m Weg zum Training kam ich zufällig bei mir an der Firma vorbei. Da stand noch ein BMX-Bike von nem Kumpel.
Der Plan sah jetzt wie folgt aus: Kaputtes Rad ausbauen, neues einbauen.
Diese Operation scheiterte aber aufgrund der Tatsache, dass dort alles an Werkzeug rumlag, was das Handwerker Herz sich nur erträumen kann, nur kein verfickter 15er Schlüssel!
Ok, ich hatte ja noch ein Mountainbike inner Ecke, aber das hat sich nach einem Jahr Rumstehen kaputt gestanden.
Ich bin dann mit dem BMX vom Kollegen losgefahren und hatte schon die Bilder vom geklauten Rad im Kopf, weil ich ja nicht so einfach davon kommen konnte.
Dachte noch kurzzeitig daran, dass sich auch genau da wo das Moped abgestellt wurde, ne Erdspalte auftun könnte, aber dazu kam’s zum Glück nicht.
Ok, ich mich ne Runde da inner Bude rumgekloppt.
Kam aus der Hütte raus und dachte „das kann nicht wahr sein“: Das Wetter iss in der Zwischenzeit zu nem Mix aus Regenwald und Antarktis mutiert.
Ich wollte wirklich nur schnell da durch und schnell nach Hause.
Ich muss jetzt auch niemandem erzählen, wie ne weisse Jacke aussieht, wenn man damit BMX fährt und keinen Spritzschutz an der Karre hat!
Gut, Training iss ohne größere Verletzungen abgelaufen … da dachte Gott sich: „Moment, einen hamm’wa noch“ und ließ dann ohne Vorwarnung Hagelkörner auf mich herab regnen, die so groß waren wie Einbauküchen – Irgendwie muss der Schädel vom Bubich ja kaputt zu kriegen sein!
Ich hab für die Ganze Nummer jetzt nur noch eine logische Erklärung:
Und zwar muss ich in meinem früheren Leben mal ne Grabstätte von nem ägyptischen Pharao geschändet haben und genau heute hat mich sein Fluch ereilt!
Ha, amüsant, amüsant… Na ich finds echt lustig was dem Tinchen so passiert am Tag… und wie er das ganze sieht.. Echt geil ! Verlinke mal die Seite, wenns recht ist… weiter so
gruß, jan
Alter…. muss ich jetzt nen schlechtes gewissen haben das ich gearbeitet habe….;-((((
tja einen muss es immer erwischen, ich konnte durchpennen auf der arbeit… du nicht…
Oo mark
Wenigstens kannst du trainieren gehn;) ich kann bis März nichts machen. aber ist echt gut die Story
Gruß Jan