Karneval, Mad Max vs. Rheinlandreisende

Mad Max 31. Januar 2008

So, liebe Freunde des gepflegten Amoklaufs!!

Mit dieser Kolumne werde ich der Staatsfeind Nr. 1 im Rheinland – aber darauf schei**e ich einen fetten Kothaufen und setze noch eine Sahnehaube oben drauf!

Es ist soweit!
Der Karneval ist (leider) zwischen Dortmund und Köln angekommen -und ich mittendrin. Mittendrin -aber ohne dass ich vielleicht
vorher gefragt wurde…

Das polizeiliche Protokoll:

# Donnerstag, 31.01.2008
# Ort: Hbf Dortmund
# Zeit: 8:31h

Ich betrete den HBF Dortmund und schlagartig fällt mir zwangsläufig ein, dass heute Weiberfastnacht ist; denn davon zeugen der penetrante Geruch von frischem Berliner-Gebäck in der sonst so muffigen Bahnhofsluft, Luftschlangen zieren die diversen KAMPS-Bäckerei-Kioske & -Filialen (yeah!full crazy that!), Tonnen an leeren Bierdosen pflastern den Boden -und am schlimmsten: Bunte, verkleidete, hysterische, laut-grölende,scheisse-bin-ich-heute-aber-lustig-Menschen bevölkern jede noch so kleine Ecke im Bahnhof.

Na super! Und das morgens um 8:30h, genau das Richtige für den chronisch Amok-Erkrankten.

Mein Gehirn läuft nun auf Hochtouren, denn es gilt, eine Kampfstrategie in Bruchteilen von Sekunden zu konstruieren: Die Formel lautet: KARNEVAL + LEUTE + BAHNHOF = Jau! Die wollen alle nach KÖLN! Und das vor allem günstig. Ergo: Die warten alle auf die Regionalbahn (das sind diese Doppeldeckerzüge), Abfahrt 8:45h.

Jetzt muss ich kurz erwähnen, dass die Ruhrgebiets-Regionalzüge grundsätzlich
a) überfüllt
b) überfüllt und
c) überfüllt sind,
da sich die Deutsche Bahn nicht in der Lage sieht, von den jährlich steigenden Ticketpreisen, einen neuen Zuganhänger zu kaufen, den man zusätzlich hinten dranhängt. Wieso auch, es könnte ja soetwas wie “Kunden-Service” aufkommen; und das kann ja nicht sein…

OK, zurück zur Strategie. Also, obwohl ich in den letzten 11 Jahren ungeschlagener + unangefochtener Champion in “sorry-dieser-Zug-ist-restlos-überfüllt-ach-egal-kommen-Sie-ruhig-hinein-ich-falte-
mich-nochmal-auf-Papier-Dicke-zusammen- dann-haben-wir-wieder-genug-Platz” bin, war mir klar: Den Beat gibst du dir heute nicht mit den ganzen Karnevalsidioten.

Kombiniere: Geil!! Da fährt um 8:38h ein EC (EuroCity) nach Düsseldorf (mein Zielort). Die EC-Züge sind so schnell wie die ICEs, das Ticket dafür ist fast genauso teuer (1x Do-Düs = 21,90 EUR) und daher sind die Fahrgäste auch zivilisierter, ja sogar Anzug- & Schlipsträger finden sich ein und die Chance auf einen Sitzplatz (welch ein LUXUS!!) ist recht hoch.

Ich also zum Bahnsteig 16, aber – wat??? Herden von den oben beschriebenen Rot-Nasen-Menschen scharen sich auf dem Bahnsteig – kurz nachdenken – ja klar, nach dem EC kommt ja die Regionalbahn Richtung Köln auf dem selben Gleis.

Ich suche mir eine Ecke, die kaum bevölkert ist und warte auf den EC, der aber nu auch kommen sollte, es ist schon 8:40h.

Ich schaue mir dieses … “Volk” mit den Verkleidungen an, wen haben wir denn da alles?

* Ganz klar, die durften nicht fehlen: Hildegard, Margot, Anneliese und Elsbeth; Mitte-Ende 50, die Kerle zuhause gelassen (”Schatz, wennse Hunger hast, Bockwurst+Kartoffelsalat is im Kühlschrank”), schnell mit dem Kajalstift einen kinky Katzenbart ins Gesicht gemalt und von der
Enkeltochter diese hippe grell-grüne Haarklammer in die Frisur eingetackert und nun bereit, bei 5 Promille am Kölner Dom nochmal ‘ne fremde Zunge beim “Bützen” in Hals geschoben zu kriegen, da zuhause mit dem Ollen ja nix mehr läuft.

* Wer noch? Logo!
Die Altherren-Fussball-Mannschaft des TSV Pupsdorf-Lassein 1913 e.V. – natürlich nicht verkleidet; weil die Frau zuhause ja nichtwissen durfte, dass das angebliche Trainingslager für heute eine Undercover-Fahrt ins Bekloppten-Zentrum nach Kölle ist. Aber diese Jungs
sind vorbereitet; Mamas Einkaufs-Trolly mit 2-3 Schweissnähten zum 75 Hektoliter-Bier-Anhänger umgefunzt, damit auch ja nicht der Pegel abreisst.

* Ja sichi! Auf die habe ich eh schon gewartet: Martina, Steffi und Rebecca! Normalerweise würden sie seit 8Uhr bei der SIGNAL/IDUNA VERSICHERUNG im Sekretariat sitzen und die Morgenpost bearbeiten, aber heute haben sie sich natürlich Urlaub genommen, um dem hirnlosen Treiben am Rhein beiwohnen zu können. Alle drei sind Anfang 30, güldene Ringe an den Fingern zeugen vom Status der Verlobung oder sogar Ehe, aber geiler feiern kann man eh nur, wenn der Stecher nicht dabei ist.
Ach ja, daran haben sie natürlich gedacht:
Einen Rucksack gefüllt mit diesen Minifläschen von KLEINER FEIGLING, CARAMEL DREAM, SWEETY ERDBÄR (gar lustig Wortspiel) und GEILE BLUTORANGE.

8:44h – die Anzeige am Gleis zeigt nun an, dass der EC etwa 5 Minuten Verspätung hat – ach!! Da wäre ich aber auch nie drauf gekommen!

Aber schon fährt der EC endlich ein und ich spähe nach der Position, von der aus ich möglichst nah an der Einstiegstür bin, um mir im Zug einen geilen Sitzplatz zu sichern.

Aber nun kommt die Maggi-Würze ins Geschehen!!

Zeitgleich ertönt Kratzen in den Vorkriegslautsprechern des Bahnhofs und die Stimme am Ende des Mikrofons verkündet: “Einfahrender EC Richtung München auf Gleis 16 darf heute zuschlagsfrei bis nach Köln genutzt werden!”

SUPERGAU!!!!!!!!!! ALARM!!!!!!! EMERGENCY !!!!!!! HÖLLE!!!!!!!!!! INNEREIEN!!!!

Riesengejubel und Geschreie aus den Reihen der gehirnamputierten Alaafs-Arschlöchern!

Was passiert natürlich? Alle die, die mit der Regionalbahn nach Köln wollten, finden es natürlich auch geiler, mal für lulu mit nem Schnellzug zu fahren, außerdem ist man dann auch viel früher bei den übrigen Saufkatastrophen aufm Kölner Ring.

Wieso, frage ich Euch Leidgenossen, wieso hat sich der liebe Gott sich das mal wieder für mich aufgehoben??

Sei’s drum – “Finger-im-Po-Mexiko”, ich muss ins Büro und steige also ein.

Da natürlich auch Menschen aus Orten, die vor Dortmund liegen, ebenfalls dem Treiben beiwohnen möchten, sind sämtliche Abteile+Plätze besetzt – aber nicht mit Schlipsträgern und gutgekleideten+gepflegten Karriere-Pussys -nein nein; die gleiche Mischpoke wie vom Bahnhof, allerdings mit höherem Alk-Pegel als die Dortmunder.

Ich sichere mir einen Stehplatz (warum sollte es heute auch anders sein, als in den letzten 11 Jahren) direkt am Ausgang, dann bekomme ich zumindest bei jedem Zwischenstopp an den Bahnhöfen kurzzeitig frische Luft, wenn sich die Tür öffnet…

# Donnerstag, 31.01.2008
# Ort: Hbf Bochum
# Zeit: 8:54h

Seit 1 Jahr ist striktes Rauchverbot in Zügen. Das interessiert selbstverständlich den Torwart und den Rechtsaussen vom o.g. Fussballclub
nicht die Bohne und es wird sich -gar listig Plan- in diesen kleinen Zwischenraum gestellt, der 2 Zuganhänger miteinander verbindet (mit Blick
auf die Gleise darunter), direkt neben mir! ALDI Karlsquellpils Plastikflasche in der Hosentasche, Fluppe im Maul und gib ihm Zunder.
Sogleich schwindet mir der Atem, mein Amokpegel bewegt sich im Milisekundenbereich nach oben.
Wenn ich jetzt was zu den beiden sage, werde ich definitiv heute abend in sämtlichen Nachrichtensendungen der Welt auftauchen…

Also belasse ich es dabei, die beiden mit einem Blick zu strafen, die Unser Aller Herr und Gebieter Dr. Mabuse nicht hätte besser machen können.

Ich beisse die Zähne zusammen, in mir brodelt es.

# Donnerstag, 31.01.2008
# Ort: Hbf Essen
# Zeit: 9:11h

Die Aktion der beiden Feierabendkicker spricht sich rum und schon teile ich mir meinen Stehplatz (und meinen Fuss) mit dem Torwart, dem Rechtsaussen, dem Stürmer und dem Trainer der o.g. Mannschaft. Alle mit qualmenden Fluppen im Hals.
Zwischendurch werden selbstredend vorbeilaufende Frauen -jedweden Alters- mit billigen Thekensprüchen angesprochen (das Schlimme daran; zu später Stunde heute, haben die damit sogar noch Erfolg!!).

Es wird immer voller und ich male mir in allen Farben und Schattierungen des Universums aus, was ich machen werde, wenn ich den Ober-Bahnchef HERRN MEHDORN mal persönlich treffen sollte…

# Donnerstag, 31.01.2008
# Ort: Hbf Duisburg
# Zeit: 9:23h

Die Fussballer ziehen sich endlich in ihr Abteil zurück, aber der freiwerdende Platz wird sogleich von 3 alten Bekannten okkupiert: Martina, Steffi und Rebecca!

Na gut, kann nur besser werden.
Schauen wir uns mal die Mädels an:
Steffi hat sich für heute den Blaumann von ihrem Freund Carsten geliehen, in der Seitentasche (da, wo normalerweise der Zollstock oder der
Kreuzschraubendreher steckt) steckt -wow, wat lustig- ein Babyfläschen mit einer Vodka-Orange-Mixtur, das Gesicht ist eigentlich ganz hübsch.
Martina: Hätte eigentlich Biologin werden sollen; nicht 1 Gramm Schminke in der Fresse, die Haare heute morgen nach dem Aufstehen unmotiviert mit einem Gummiband zusammengeknödelt, langweilige Jeanshose, einen Wollpullover der auch schon bessere Zeiten hatte und -oh Gott, es war aber auch nicht anders zu erwarten- einen fetten Liebestöterschlüpper, der meint, er müsste immer hinten rausgucken. Aber klar, Martina ist auch diejenige, die den Rucksack tragen muss…
Rebecca; die Cliquen-Schönste, sicherlich auch die attraktivste auf der ganzen Büroetage 4 des Versicherungsgebäudes; braune
Augen, gezupfte Augenbrauen versprechen weitere blankgepflegte Körperstellen – die Zugfahrt könnte zum Schluss zumindest in der Phantasie noch ganz erträglich werden… Rebecca gibt natürlich auch den Ton an, wo es heute hingeht, welche Kneipe zuerst unsicher gemacht wird (ob das ihr Mann Marc Hendrik wohl weiss?)…

# Donnerstag, 31.01.2008
# Ort: Flughafen Düsseldorf
# Zeit: 9:34h

Endlich, gleich kommt der Hbf Düsseldorf; das Gedränge und diese gespielte + mit viel Promille gepimpte Gute Laune dieser bekackten Karnevalsnarren pisst mich so dermaßen an, dass ich Bilder von blutüberströmten Leichen und abgefetzten Körperteile in Clowns- + Piratenkostümen am Kölner Dom im Kopf habe.

Einfahrt in den Bhf D’dorf: Ein letzter Blick zu den 3 Mädels, da schnappe ich noch den Satz von Rebecca auf: “Ey, gleich erstmal ‘n Döner, damit die Grundlage passt!!”. Frauen dürfen lachen, feiern, beschwipst sein, auch mal ungeschminkt herumlaufen -aber….! Nein, sie dürfen keine fiesen Sachen essen; und dazu gehört definitiv Döner!

Ich steige aus und gönne mir ein Taxi zum Büro, damit ich diese ganzen Pappnasen nicht mehr sehen muss, denn: Düsseldorf ist ebenfalls Hochburg dieser fragwürdigen Präsentation.

Angekommen im Büro; fein fein, denke ich mir, heute machen viele Kollegen Urlaub, ist’s ruhiger und ich kann in Ruhe meine 244 ungelesenen Mails abarbeiten…

… als plötzlich die Empfangsdame + die Sektretärinnen mit Tellern voll Berlinern, mit “Helau” und “Alaafs” durch die Büros ziehen und meinen, sie müssten auch noch die letzten Amokläufer davon überzeugen, dass das doch alles total dufte und voll funny ist.

Ich eskalier’.

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Eine Reaktion zu “Karneval, Mad Max vs. Rheinlandreisende”

  1. McMurphyam 31. Januar 2008 um 16:06 Uhr

    Ja machen wir uns doch nichts vor:
    Elsbeths Oller zündet eh’ sich schon seit Schichtende um 16:30h dermaßen die Lunte an, dass ihm zum einen völlig egal ist, was seine Trulla da in Kölle treibt; zum anderen hat er sowieso geplant, heut gegen 2,5 Promille, die noch bei Tageslicht erreicht werden wollen, die braun-weisse Kuh auf der Weide nahe seinem Heimweg ausser Kneipe, zu knallen.

    Ehrlich gesagt fühle ich arg mit Dir Mad Max.
    Nackig mit einer klaffenden und blutenden Wunde an Walpurgisnacht durch einen dunklen Wald in Siebenbürgen zu laufen, dürfte wohl weniger gefährlich sein, als mit dieser Horde Helau-Zombis im Zug den Arbeitstag zu beginnen.

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